IM Gurduara

Erhalten Sie einen groben Überblick über die fünftgrößte Religion der Welt.

Im Gurduara

Der Gurudwara
 
Als Gurudwara wird ein Sikh-Tempel bezeichnet, welcher einen Ort der Verehrung in der Sikh Religion darstellt. Das Wort Gurudwara setzt sich aus zwei Teilen zusammen, Guru und Dwara, welche wortwörtlich übersetzt das Tor zum Guru, bedeuten. In einem Sikh-Tempel werden Predigten gehalten und die Schriften des ewigen Gurus, des Guru Granth Sahib Jis, rezitiert und gesungen. Ebenso werden dort Feste gefeiert. Zu diesen Festen gehören für die Sikhs Geburtstage wichtiger Sikh Persönlichkeiten und der Gurus, Taufen und Trauungszeremonien, aber auch Todestage, da es eine Sitte der Sikhi ist, den Willen Gottes in jeglicher Form zu akzeptieren und Trauer und Glück als ebenbürtig anzusehen. Auf diese Art ist der Gurdwara ein Ort, an dem Menschen aus aller Welt spirituelles Wissen und Weisheit entwickeln können.
 
Wer darf den Gurdwara betreten?
 
Jeder Mensch, unabhängig von seines Glaubensbekenntnisses, Geschlecht, Kaste oder Alter, ist in einem Gurdwara herzlich willkommen. In einem Gurdwara gibt es vier Türen, auch bekannt als die Türen des Lebensunterhalts, die Tür des Lernens, die Tür des Friedens und die Tür der Gnade. Diese vier Türen repräsentieren, dass Menschen aus allen vier Himmelsrichtungen willkommen sind. Ergänzend lässt sich hier auch erwähnen, dass es in Indien vier Kasten gab beziehungsweise diese immer noch vorhanden sind, von denen nicht alle Kastenzugehörige einen Hindu-Tempel betreten durften. Die vier Türen des Gurudwaras agieren als Symbol gegen diese Unterdrückung und öffnen allen Menschen, unabhängig von ihrer Kaste, die Tür zum Guru und somit die Tür zur ewigen Weisheit.
 
Das Tempelprotokoll
 
Bevor Sie einen Gurdwara betreten, ist darauf hinzuweisen, dass folgende Regeln eingehalten werden. Die Sikhi setzt sich fundamental gegen den Gebrauch von Tabak, Alkohol und Drogen ein. Aus diesem Grunde ist der Gebrauch und das Mitbringen dieser in und um einen Gurudwara herum strengstens untersagt. Des Weiteren werden vor dem Betreten der Halle die Schuhe ausgezogen, die Hände gewaschen und der Kopf durch einen Schal, ein Tuch oder ähnliches bedeckt. Aus Respekt und Liebe zum Guru, des Guru Granth Sahib Ji, welcher sich am Ende der Halle unter einem Baldachin befindet, verhalten sich alle Besucher respektvoll und verneigen sich demütig, wobei die Stirn den Boden berührt, vor dem Guru. Nach der Verneigung, setzen sich alle im Schneidersitz vor den Guru auf den Boden. Hierbei und während des gesamten Aufenthaltes in einem Gurwara ist eine ruhige Atmosphäre beizubehalten. Den anderen in seiner Meditation oder die spirituelle Aura, den Fokus stets auf den Guru zu lenken, soll man durch keine auffälligen Verhaltensmuster oder keine allgemeinen Auffälligkeiten stören. Somit sitzen die Frauen üblicherweise auf der einen und die Männer auf der anderen Seite, des Weiteren ist eine respektvolle, unauffällige und angemessene Kleidungsnorm einzuhalten. 
 
Der Aufbau eines Gemeinde-Gottesdienstes
 
Da in Europa eine Norm herrscht, die den Sonntag als freien Tag mit sich bringt, versammeln sich jeden Sonntag mehrere hunderte Gemeindemitglieder für einen Gottesdienst im Gurdwara zusammen. Der Gottesdienst findet seinen Anfang morgens, endet üblicherweise in den frühen Nachmittagsstunden und beinhaltet folgende Aspekte. Die Gurbani (die heilige Schrift des ewigen Guru, Guru Granth Sahib Ji), wird in Form von Hymnen gesungen. Dieses Vorgehen wird als Kirtan bezeichnet. Ebenso wird die Gurbani gemeinsam rezitiert und des öfteren von einem Priester interpretiert und auf Ihre zeitlose Botschaft ausgelegt. Dies wird als Katha bezeichnet. Darauf folgen sechs Strophen aus dem Sikh Gebet Anand Sahib, welche ebenfalls gesungen werden. Kinder haben sehr häufig die Möglichkeit während dieser Stunden in den Klassenräumen neben der Halle an einem Unterricht teilzunehmen, wo sie über die Sikhi, die Geschichte, Moral und die Gurmukhi Schrift unterrichtet werden. Die Ardaas findet im Anschluss mit allen zusammen statt. Hier stellen sich alle Anwesenden mit zusammengefallenen Händen hin und nehmen bei dem Gebet, das der Priester an den Allmächtigen Schöpfer richtet, teil. Nach Beendigung der Ardaas wird ein Hukamnama vorgelesen. Ein Hukamnama wird als ein Befehl des Gurus gesehen, den der Priester durch zufälliges Öffnen des Guru Granth Sahib Ji, vorliest. Nach diesem spirituellen Vorgang wird an die Santa (den Versammelten im Gottesdienst) eine süße verteilt, das als Karaahh Parshaad bezeichnet wird. Im Anschluss wird nun gemeinsam im Langar gegessen.
 
Der Langar / die größte Freiküche der Welt
 
Das Langar wurde von dem ersten Guru der Sikhs, Guru Nanak Dev Ji im 15ten Jahrhundert gegründet. Das Ziel des Gurus war es ein Konzept zu erschaffen, in dem Menschen aller gesellschaftlichen Klassen, Geschlechts, Kasten und Religionen, gemeinsam speisen können. Der Langar dient als Bekämpfung der Armut und als Bild der Barmherzigkeit, wo alle Menschen gemeinsam auf dem Boden sitzen und speisen. Heute befindet sich in jedem Gurdwara weltweit ein Langar, in dem allen Besuchern unabhängig von der Uhrzeit und Tagen, ein Mahl serviert wird. Das Heiligtum der Sikh, der Harmandir Sahib in Amritsar, wird als größte Freiküche der Welt bezeichnet, in welcher tagtäglich mehr als 100.000 Menschen mit Mahlzeiten versorgt werden. Die Finanzierung und die Funktion des Langars findet durch Spenden und freiwillige, selbstlose Arbeit statt, die in der Sikhi als Sera bezeichnet wird. Die Mahlzeiten enthalten einfaches, vegetarisches Essen, das reich an Proteinen und gesunden Elementen ist. So enthält eine übliche Mahlzeit Daal ( Hülsenfrüchte), Gemüse und Parshada (Chapati).
 
Guru Granth Sahib Ji und die Funktion eines Gurdwaras
 
Der Gurdwara ist ein Ort, an dem Menschen spirituelles Wissen und Weisheit entwickeln können. Er ist ein Zentrum, das Unterkunft und Nahrung für jeden bietet. Durch das Anwesen des Guru Granth Sahib Ji, wird dieses Zentrum zu einem Gurdwara. Die Hymnen des Guru Granth Sahib Ji, welcher als ewiger Guru angesehen wird, werden hier gesunden und rezitiert. Guru Granth Sahib Ji ist als ein Buch mit 1430 Seiten etabliert. Das Buch an sich ist die sichtbare Manifestation, der geistige Inhalt jedoch, welcher durch die Schriften erfasst wurde, wird als der ewige Guru angesehen. Somit wird er den Gurus gleichgesetzt und liegt auf einer erhöhten Plattform, welche als Manji Sahib oder Takhat -> Thron bezeichnet wird unter einem Baldachin ( Chandoa Sahib oder Halki Sahib ). Guru Granth Sahib Ji wird von einem eleganten, großen und festem Tuch bedeckt, wenn nicht aus ihm gelesen wird. Während der Nacht residiert Guru Granth Sahib Ji in einem eigenen Raum und zu Beginn der Morgenstunden wird er auf dem Kopf getragen zu der Plattform gebracht. Guru Granth Sahib Ji wird aus Respekt immer auf dem Kopf getragen. Mit einem prachtvollen Fächer wird, namens Chaur, wird über Guru Granth Sahib Ji gewedelt, während von diesem rezitiert wird. Ein Priester ist zu jeder Zeit in Anwesenheit des Guru Granth Sahib Ji. Ein Gurdwara wird durch die Spenden der Gemeinde finanziert. Sozioökonomisch gesehen ist ein Gurdwara frei von parteipolitischen Interessen zu führen. In einem Gurdwara kann ebenso ein Austausch über die Probleme und Angelegenheiten der Sikh-Gemeinschaft stattfinden. 
 
Historisches über den Gurdwara
 
Der erste Gurdwara der Welt wurde von dem Gründer der Sikh Religion und dem ersten Guru, Guru Nanak Dev Ji 1521 in Kartarpur gebaut. Vor der zeit des fünften Gurus, Guru Arjan Dev Ji, war der Ort der religiösen Aktivitäten der Sikh als Dharamsala bekannt, welches Ort des Glaubens bedeutet. (Nishaan Sahib Flagge – Miri Piriii Ghana ) Guru Nanak Dev Ji setzte sich sehr früh gegen den damals herrschenden Aberglauben und Ritualwesen ein. Somit werden auch heute in einem Gurdwara Götzenanbilder, das Anbeten von Statuen oder religiösen Bilder, Kerzen, Weihrauch und jegliche rituelle Hilfsmittel verboten. Die Sikh betrachten Gott als körperlos und zeitlos, der immer und überall präsent ist.

Wir verwenden Cookies um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Sie können Ihre Browser-Einstellungen anpassen, um dies zu unterbinden. Ausführliche Erklärungen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.